Goldpreis: Zinssorgen überschatten Inflationssorgen

30. Juni 2026

Der Goldpreis setzte im Juni seine Talfahrt fort und rutschte zeitweise sogar unter die Marke von 4.000 Dollar. Der Monatsverlust beläuft sich auf über 11 Prozent und auch die Jahresbilanz fällt relativ enttäuschend aus. Seit Ende Dezember verbuchte die Krisenwährung eine Wertminderung um fast 7 Prozent.

Dabei sollten Investoren allerdings eines unbedingt beachten: Vor drei Jahren konnte man den „sicheren Hafen“ für weniger als die Hälfte seines heutigen Werts erwerben. Wichtige Aktienindizes aus den USA und Europa haben sich in diesem Jahr zwar besser entwickelt als der Goldpreis, auf 12-Monatssicht entwickelten sich Aktienindizes auf Standardwerte jedoch schwächer als Gold. Das Marktsentiment hat sich an den Goldmärkten in den vergangenen Monaten aber deutlich eingetrübt, die vorherigen starken Kursgewinne haben zu einer technischen Korrektur geführt, die von vielen Goldexperten als gesunde Entwicklung interpretiert wird.

Zahlreiche charttechnische Indikatoren lieferten Verkaufssignale veranlassten einige Banken ihre vorherigen Goldpreisprognosen nach unten zu revidieren. Im Juni haben mehrere Analysehäuser ihre Goldpreisprognosen nach unten angepasst. Dazu zählen unter anderem Goldman Sachs, Commerzbank, ING und Morgan Stanley. Als Hauptgründe nannten die Analysten höhere US-Anleiherenditen, einen stärkeren Dollar, die Aussicht auf länger hohe Zinsen sowie schwächere Zuflüsse in Gold-ETFs.

Zinssorgen bremsen die Krisenwährung aus

Das Zinsumfeld hat sich im Juni deutlich gegen Gold entwickelt. So erhöhte zum Beispiel die EZB ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent. Noch stärker überraschte jedoch die US-Notenbank: Nach der ersten Fed-Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh fielen dessen Aussagen deutlich „falkenhafter“ aus als erwartet. Entsprechend stieg laut CME FedWatch Tool die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen in den USA deutlich an. Mittlerweile gelten Zinserhöhungen als sehr wahrscheinlich. Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group soll eine Zinserhöhung bereits im September erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario beläuft sich aktuell auf 63 Prozent.

In diesem Jahr hat der Charme des Inflationsschutzes Gold erheblich gelitten, obwohl die Geldentwertung in den USA mit 4,2 Prozent p.a. im Mai auf den höchsten Stand seit April 2023 geklettert war. In der Eurozone war mit 3,2 Prozent der höchste Wert seit September 2023 gemeldet worden und in Deutschland (2,6 Prozent) verhinderte lediglich der eingeführte Tankrabatt das Markieren neuer Mehrjahreshochs (siehe Chart). Da dieser Ende Juni ausläuft, darf man nun gespannt sein, wie sich die Lebenshaltungskosten nach dem massiven Einbruch des Ölpreises im Juni (Brent-Rohöl: -23 Prozent) entwickeln werden.

Ergebnisse der LBMA-Umfrage seit 2010

Entwicklung der Inflation in den vergangenen zehn Jahren

Quelle: Eurostat, U.S. Bureau of Labor Statistics

Was Anleger unbedingt beachten sollten

Aktuell spielen an den Goldmärkten Zinssorgen eine deutlich größere Rolle als Inflationsängste. Vor allem steigende Anleiherenditen belasten den Goldpreis, weil sich dadurch die Opportunitätskosten eines zinslosen Investments erhöhen. Langfristig kommt es jedoch vor allem auf die Entwicklung der Realzinsen an. Liegt die Inflation über den Anleiherenditen, entstehen negative Realzinsen – ein Umfeld, das Gold in der Vergangenheit häufig Rückenwind verliehen hat. Gleichzeitig geraten hochverschuldete Staaten wie die USA bei dauerhaft hohen Zinsen zunehmend unter Druck, da Haushaltsdefizite und Zinslasten steigen.

Fazit:

Physische Goldbarren und Goldmünzen kennen solche Verschuldungs- und Schuldentragfähigkeitsprobleme nicht und sollten daher in keinem Wertpapierportfolio fehlen.

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