Zinswende belastet Goldpreis – Nachfrage bleibt robust
29. September 2026
Der Goldpreis hat im September 2026 deutlich nachgegeben. Bis zum 28. September verlor das Edelmetall mehr als sechs Prozent und notierte zuletzt bei rund 4.150 Dollar. Hauptgrund waren wachsende Zinssorgen: Gleich mehrere große Notenbanken haben ihre Geldpolitik gestrafft. Zugleich kletterten die Renditen am US-Anleihemarkt auf Niveaus, die viele Anleger seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt Gold dennoch rund acht Prozent im Plus.
Leitzinserhöhungen in Europa, den USA und Japan
Die Europäische Zentralbank hob Mitte September ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte an – bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr nach einem ersten Schritt im Juni. Der Einlagensatz liegt nun bei 2,50 Prozent. Als Begründung nannte die EZB den anhaltenden Inflationsdruck, der vor allem von hohen Energiepreisen infolge des Nahost-Kriegs ausgeht.
Kurz darauf zog die US-Notenbank Fed nach und erhöhte die Fed Funds auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Es war die erste Anhebung seit mehr als drei Jahren, weitere Schritte schließen die Währungshüter nicht aus. Auch die Bank of Japan straffte ihre Geldpolitik: Mit 1,25 Prozent erreichte der japanische Leitzins den höchsten Stand seit 1995. Seit dem Ausstieg aus der Negativzinspolitik im März 2024 war dies bereits die sechste Zinserhöhung. Dass alle drei großen Notenbanken im selben Monat die Zinsen anheben, gilt als historisch einmalig (siehe Chart).

Entwicklung der Leitzinsen wichtiger Volkswirtschaften
Quelle: finanzen.net
US-Anleiherenditen über 5 Prozent: Warum das den Goldpreis belastet
Parallel dazu gerieten US-Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg zeitweise auf gut 5,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Bei 30-jährigen Anleihen wurden sogar über 5,5 Prozent erreicht – so viel wie seit 2004 nicht mehr. Neben der Inflation treiben die hohe Staatsverschuldung und ein wachsendes Anleiheangebot die Renditen nach oben.
Für Gold bedeutet das spürbaren Gegenwind. Das Edelmetall wirft keine laufenden Zinsen ab. Steigen die Erträge vergleichsweise sicherer Anleihen, verliert Gold für manche Investoren an relativer Attraktivität. Diese sogenannten Opportunitätskosten erklären einen Großteil der Kursverluste im September.
ETF-Zuflüsse und Notenbankkäufe stützen die Goldnachfrage
Trotz des Preisrückgangs zeigt sich die Nachfrage bemerkenswert stabil. In den ersten drei Septemberwochen flossen weltweit rund 65 Tonnen in physisch gesicherte Gold–ETFs. Bereits im August hatten sich deren Bestände um 120 Tonnen erhöht und mit 4.188 Tonnen einen Rekordwert erreicht. Viele Anleger nutzen Gold offenbar weiterhin zur Absicherung gegen Inflation, hohe Staatsschulden und geopolitische Risiken.
Auch die Zentralbanken bleiben aktiv. Laut World Gold Council erhöhten sie ihre Goldreserven im Juli netto um 23 Tonnen. Größter Käufer war China mit 20 Tonnen, gefolgt von Polen mit acht Tonnen. Im August stockte die chinesische Notenbank ihre Bestände erneut um rund 20 Tonnen auf – der 22. Monat in Folge mit Goldkäufen. Polen hat seine Reserven von Januar bis Juli um etwa 90 Tonnen ausgebaut und nähert sich seinem Ziel von 700 Tonnen.
Fazit:
Der September hat gezeigt, wie stark Zinserwartungen den Goldpreis kurzfristig bewegen können. Viele Analysten weisen allerdings darauf hin, dass die steigenden Zinsen zunehmend als Risiko für den Anleihemarkt wahrgenommen werden. Mit steigenden Renditen wachsen die Finanzierungskosten der Staaten. Dadurch wird die Tragfähigkeit der hohen Schuldenstände zunehmend infrage gestellt. Die anhaltenden Käufe von Notenbanken und ETF-Anlegern deuten darauf hin, dass das grundsätzliche Interesse an Gold als staatlich unabhängigem Vermögenswert intakt ist. Wie es weitergeht, dürfte vor allem davon abhängen, ob die Notenbanken ihren Straffungskurs in den kommenden Monaten fortsetzen.

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